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Business-Central-Update: Warum die Testphase über einen erfolgreichen Go-Live entscheidet

Das Business-Central-Update wurde erfolgreich installiert. Technisch scheint alles einwandfrei zu funktionieren. Doch die eigentliche Herausforderung beginnt danach. Am ersten Arbeitstag nach dem Go-Live treten plötzlich Probleme auf: Rechnungen werden nicht korrekt erstellt, Zahlungen können nicht verarbeitet werden, Lagerbewertungen werden nicht korrekt gebucht oder Schnittstellen laufen nicht fehlerfrei. Solche Fehler entstehen häufig nicht durch die Technik selbst, sondern weil Geschäftsprozesse vor dem Produktivstart nicht ausreichend getestet wurden.

Eine strukturierte Testphase hilft Ihnen dabei, genau solche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu beheben. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie den Testprozess eines Business-Central-Updates sinnvoll organisieren, welche Rollen dabei wichtig sind und welche typischen Fehler Unternehmen vor dem Go-Live vermeiden sollten.


Organisation und Rollen des Testprozesses

Ein erfolgreicher Testprozess beginnt lange vor dem ersten Testfall. Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten frühzeitig festgelegt werden und alle beteiligten Fachbereiche ihre Aufgaben kennen. Nur wenn IT, Fachbereiche und externe Berater eng zusammenarbeiten, lassen sich Fehler rechtzeitig erkennen und zielgerichtet beheben.

Bewährt hat sich dabei eine klare Rollenverteilung. Die IT benennt gemeinsam mit den Fachbereichen Key User für Bereiche wie Finance, Controlling, Einkauf, Vertrieb oder Logistik. Diese kennen die täglichen Geschäftsprozesse am besten und können beurteilen, ob das System nach dem Update fachlich korrekt arbeitet. Ergänzend unterstützen Berater die einzelnen Fachbereiche bei fachlichen Fragen und der technischen Analyse auftretender Probleme.

Die eigentlichen Tests führen die Key User anschließend eigenständig in ihren jeweiligen Testmandanten durch. Dabei sollten Fehler nicht nur gemeldet, sondern möglichst vollständig dokumentiert werden – beispielsweise mit einer Beschreibung des Problems, einer Belegreferenz und einer Priorisierung nach Kritikalität. Dadurch können IT und Berater die Ursachen schneller analysieren und zielgerichtet beheben.

Empfohlenes Testvorgehen

In vielen Business-Central-Projekten hat sich ein stufenweises Vorgehen bewährt. Statt alle Gesellschaften gleichzeitig zu testen, empfiehlt es sich, zunächst den Hauptmandanten vollständig zu prüfen. Dadurch werden grundlegende Fehler früh erkannt und behoben, bevor sie sich auf weitere Gesellschaften auswirken.

Nach der Fehlerbehebung werden die betroffenen Prozesse erneut getestet. Erst wenn der Hauptmandant stabil läuft, erfolgt die Übertragung auf weitere Mandanten. Dieses Vorgehen reduziert den Testaufwand erheblich und verhindert, dass identische Fehler mehrfach untersucht werden müssen.

Ein typisches Beispiel ist der Vertriebsprozess: Vom Angebot über den Auftrag und die Lieferung bis hin zur Fakturierung sollte der komplette End-to-End-Prozess durchlaufen werden. Nur so wird sichergestellt, dass alle Prozessschritte auch im Zusammenspiel korrekt funktionieren.


Offene Fragen frühzeitig klären

Neben der eigentlichen Testdurchführung gibt es zahlreiche organisatorische Fragestellungen, die bereits zu Beginn des Projekts beantwortet werden sollten. Erfahrungsgemäß führen gerade ungeklärte Verantwortlichkeiten oder fehlende Abnahmekriterien später zu Verzögerungen.

Dazu gehören unter anderem folgende Punkte:

  • Anforderungen an die Testdokumentation für Wirtschaftsprüfer
  • Aktualität und Vollständigkeit bestehender Testfälle
  • Testmöglichkeiten für einzelne Gesellschaften ohne eigene Testumgebung
  • Regelmäßige Abstimmungen zwischen Key Usern, IT und Beratern
  • Klare Definition der fachlichen Abnahme und der Go-Live-Freigabe

Wer diese Themen frühzeitig klärt, vermeidet langwierige Diskussionen und Verzögerungen des Produktivstarts.


Häufige Fehler bei ERP-Tests

Aus unserer Projekterfahrung scheitern Testphasen selten an der Technik – deutlich häufiger sind organisatorische Ursachen ausschlaggebend. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

Die Fachbereiche werden zu spät eingebunden. Dadurch fehlen wichtige Rückmeldungen aus dem Tagesgeschäft und Fehler werden erst nach dem Go-Live entdeckt.

Testfälle sind veraltet oder unvollständig. Geschäftsprozesse verändern sich kontinuierlich. Werden Testfälle nicht regelmäßig aktualisiert, bleiben wichtige Abläufe ungetestet.

Fehler werden nicht priorisiert. Ohne klare Einstufung verschwenden Projektteams Zeit mit weniger kritischen Themen, während schwerwiegende Fehler liegen bleiben.

Abnahmekriterien sind nicht definiert. Wenn unklar ist, wann ein Prozess als erfolgreich getestet gilt, verzögert sich die Freigabe des Systems.

Es wird nur technisch getestet. Ein technisch fehlerfreies System garantiert noch keine funktionierenden Geschäftsprozesse. Deshalb sollten immer vollständige End-to-End-Tests aus Sicht der Fachbereiche durchgeführt werden.


Unser Fazit

Ein strukturierter Testprozess ist weit mehr als eine Pflichtaufgabe im ERP-Projekt, denn er ist die beste Absicherung für einen erfolgreichen Go-Live. Wenn Sie Ihre Prozesse konsequent testen, Verantwortlichkeiten klar definieren und Fehler systematisch beheben, reduzieren Sie Risiken und stellen sicher, dass Microsoft Dynamics 365 Business Central Ihr Unternehmen vom ersten Tag an zuverlässig unterstützt.

Technisch erfolgreich heißt nicht automatisch fachlich erfolgreich


Über die Autorin

Nicole Dyck · TEAMLead FUNCTIONAL CONSULTANT

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